Einige Erläuterungen zum Schießsport: Was machen die da?

 

Scheiben - Entfernungen - Stände

 

Sportschützen schießen fast ausschließlich auf Papierscheiben. Diese Scheiben haben je nach Art der Waffe unterschiedliche Größe, auch die Entfernung vom Schützen bis zur Scheibe ist unterschiedlich groß, je nach "Disziplin". Es gilt die "Sportordnung" des DSB, des Deutschen Schützenverbandes.

Als Beispiele einmal die Einrichtungen, die in unserem Verein vorhanden sind:

 

Hier zunächst ein 10 m – Stand, der für Luftdruckwaffen (lang: Luftgewehr und kurz: Luftpistole) verwendet wird.

Die Scheiben, auf die mit dem Luftgewehr geschossen wird, sehen in Originalgröße etwa so aus:

Da das auf jedem Bildschirm anders dargestellt wird: der schwarze Bereich hat 3 cm Durchmesser, der kleine weiße Punkt in der Mitte ist die 10.

Die Scheiben für die Luftpistole sind etwa doppelt so groß. Geschossen werden 40 Schuss in einer Wertung.

 

Nun ein 25 m – Stand - die nächste Einrichtung. Hier werden „Faustfeuerwaffen“ (Pistolen, Revolver) geschossen.

Die Scheibe links ist erkennbar, der innerste Kreis der „10“ hat einen Durchmesser von 5 cm (!). Die etwas größere Scheibe rechts daneben ist eine sogenannte „Duellscheibe“, deren Sichtbarkeit durch Wegdrehen mit einer automatischen Anlage je nach Disziplin und entsprechender Schussfolge auf wenige Sekunden begrenzt wird: hier muss der Schütze seine Reaktionsfähigkeit und den genau kontrollierten Ablauf seiner Bewegungen trainieren. Geschossen werden meistens 15 Schuss auf jede der beiden Scheiben in einer Wertung.

 

Ein 50 m – Stand für Langwaffen (Gewehre).

Die Größe der Scheibe ist die gleiche, wie bei 25 m, sie ist nur eben doppelt so weit entfernt. Hier werden Langwaffen (Gewehre) geschossen. (Welche Gewehre das sein dürfen, soll unter dem Abschnitt Waffen erläutert werden.)

Für die Disziplin Kleinkaliber-Gewehr (KK-Gewehr) werden kleinere Scheiben verwendet.

 

Ein 100 m – Stand.

Nochmals Verdoppelung der Distanz, immer noch 5 cm Durchmesser für die 10! Hier werden nur Langwaffen geschossen, mit einer Handfeuerwaffe trifft man auf diese Distanz nichts mehr. Schon das Ziel ist bei der Visierung einer solchen Waffe nicht mehr zu erkennen.

 

 

Anschlagarten: Stehend, Liegend, Kniend

 

Kurzwaffen werden grundsätzlich im Stehen geschossen. Bei den Langwaffen gibt es je nach Disziplin unterschiedliche Anschlagarten, manchmal alle nacheinander in einer Wertung.

Es kommt beim Schießen auf Körperbeherrschung an. Hier die Theorie der Körperhaltung beim „Stehendanschlag“:

Man kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, auf diese Weise den stecknadelkopfgroßen Punkt der 10 auf der oben gezeigten Scheibe in 10m Entfernung 40 mal hintereinander zu treffen!

Die dazu notwendige Fähigkeit erreicht man nur durch Konzentration, Training, absolute innere Ruhe, Training, Körberbeherrschung, Training, Kraft in den Muskeln durch Sport und Training.

Das ist der Sport beim Schießsport.

Und: es kostet eine Menge Munition!

Den Spaß und die Freude hat man, wenn man wenigstens 90% der möglichen 400 "Ringe" erreicht. Aber auch 80% sind schon Grund zur Freude! Aber das hängt ja auch ein bisschen vom Alter des Schützen ab - wie man sich leicht denken kann.

 

 

Waffenentwicklung der Langwaffen (Gewehre)

 

Bis etwa in das Jahr 1870 wurden Vorderlader- oder "Perkussions"- Gewehre geschossen. Die hielt man mit der Mündung nach oben, schüttete Schwarzpulver hinein und schob eine runde Bleikugel mit einem Ladestock ebenfalls von oben nach unten in das Gewehr. Dann hielt man es mit der Mündung in Zielrichtung, setzte ein Zündhütchen auf den Zündpiston, spannte den Hahn, nahm das Gewehr in Anschlag, zielte und drückte ab. (Vorher gab es auch noch Steinschlossgewehre, aber das soll ein anderes Kapitel bleiben.)

Zunächst hatten diese Gewehre innen glatte Läufe, sie schossen zwar, trafen deshalb aber nicht gut.

Anders wurde das, als man begann, die Läufe innen mit Zügen (Rillen) zu versehen, die dem Geschoss beim Flug einen Drall gaben, der das Geschoss in der Flugbahn stabilisierte. So wie ein Kreisel auf seiner Spitze stehen bleibt, solange er sich dreht. Verwendet wurden solche Gewehre in sogenannten "Jägerbatallionen", speziell ausgebildeten Scharfschützen. Während das normale Heer nur traf, wenn ganz viele gleichzeitig schossen, waren diese Schützen in der Lage, mit geringer Anzahl eine große Wirkung zu erzielen. (Napoleon musste das in der Schlacht bei Waterloo erfahren, als er mit seinem Heer den preußischen "Jägern" begegnete.)

 

Sportschützen verwenden diese Gewehre entweder als (sehr teure) Originale oder als (immer noch teure) Repliken alter Gewehre. Man gießt sich dann mittels der passenden Technik die Geschosse selbst (Rundkugeln sind ungenauer), mischt sich seine Fettmischung zum Fetten der Geschosse selbst und laboriert endlos und immer wieder mit der Sorte und Menge Schwarzpulver, die man verwendet. Perkussionsgewehre sind frei und ohne Genehmigungen zu erwerben, aber man kann sie nur benutzen, wenn man nach einer Prüfung über die Waffensachkunde nach § 7 WaffG und einer weiteren Prüfung nach § 32 der 1. SprengV, den sogenannten "Pulverschein", verfügt. Ob diese Voraussetzungen erfüllt werden, wird von der jeweiligen Standaufsicht vor jedem Wettkampf überprüft.

Diese Disziplin kann man auch in internationalen Wettkämpfen mitschießen, wenn man genügend Zeit, Geld und Fähigkeiten besitzt.

 

1860 entwickelte Henry in Amerika die erste Waffe, die nicht mehr mit Pulver und Blei, sondern mit fertigen Patronen geladen wurde:

die Henry Rifle, ein Unterhebel-Repetierer (Lever Action Rifle, bei uns "UHR" genannt).

Dieses Gewehr wurde in der unter dem Lauf liegenden Röhre mit 16 Patronen geladen, und durch Bewegung des Hebels hinter dem Abzug geladen und gespannt. Ein Schütze kam mit diesem Gewehr einschließlich Nachladens auf bis zu 25 Schuss in der Minute!

Eine Revolution, wie man sich denken kann. "Das Gewehr, das man sonntags lädt und dann die ganze Woche damit schießt", sagte man damals.

Der Henry-Stutzen, wie Karl May ihn in seinen Büchern berühmt gemacht hat und eine ziemlich unsinnige Beschreibung abgegeben hat. Kein Wunder: Karl May hat den Henry-Stutzen nie gesehen, als er ihn beschrieb.

So brachte er beispielsweise die Schusszahl 25 pro Minute mit der Ladekapazität (16) durcheinander. Der Ausschnitt aus Winnetou zeigt, was er sich zusammenphantasiert hatte:

(Karl May in "Winnetou I")
"...ein polygones Eisenstück, dessen Ecken er abzufeilen begann. Ich sah, dass jede Fläche desselben ein Loch hatte. [...] Dieses Eisen wird eine Kugel, welche sich exzentrisch bewegt; fünfundzwanzig Löcher darin enthalten ebenso viele Patronen.
Bei jedem Schusse rückt die Kugel die nächste Patrone weiter an den Lauf."
 
Es gibt keine "Kugel", das Gewehr hat ein Röhrenmagazin und einen Ladehebel.

Das Innenleben der Henry-Rifle. Oben ist der Lauf zu sehen. Die Feder in der Magazin-Röhre direkt unter dem Lauf wird mit einem Schieber von rechts nach links zusammengeschoben und im linken Teil des Magazins verriegelt. Dann wird das Vorderteil des Magazins mit der komprimierten Feder weggeschwenkt und die Patronen von vorne in das Magazin eingefüllt. Danach wir das Federgehäuse zurück geschwenkt und die Feder drückt nun die Patronen im Magazin nach hinten, auf das Schloss zu.

Wenn jetzt der Unterhebel nach vorne betätigt wird, wird die im Lauf noch vorhandene leere Hülse ausgezogen und weggeschleudert, gleichzeitig rutscht wieder eine Patrone auf den Hebelöffel, wird nach oben vor den Lauf gehoben und beim Rückziehen des Unterhebels in den Lauf geschoben. Schießen, Nachladen (dabei wird die Hülse ausgeworfen), Schießen. Und so weiter. 16 Mal in Folge.

Dies ist eine Henry-Rifle! (Kevin Kostner in "Der mit dem Wolf tanzt")

Henry hatte eine Kooperation für den Bau seines Gewehrs mit Winchester.

Die Weiterentwicklung des Gewehres fand dann bei Winchester unter deren Namen statt.

Das Nachfolgemodell, die Winchester 1866, hatte den Vorteil, dass sie nicht mehr mühsam von vorne geladen werden musste, sondern die Patronen wurden am Schloss seitlich eingeführt und von hinten in die Magazinröhre eingeschoben, wobei die Feder im Magazin gespannt wurde. Der Schütze musste nun nicht mehr aufrecht stehen, um die Waffe zu laden, sondern er konnte in der Deckung liegen bleiben und so die Waffe nachladen: ein ganz wesentlicher Vorteil!

Weitere Modelle: Winchester 1866,- 1873,- 1876,- 1886,- 1892,- 1894

 

Alle Modelle der Winchester-Gewehre fanden in Western-Filmen ihre Darstellung: die 1866 in einem Django-Film.

Die „Winchester 1873“ bekam sogar einen eigenen Filmtitel. James Stewart spielte die Hauptrolle.

 

 

 

Die letzte Entwicklung ist die Winchester 1894.

 

 

Außer Winchester baute auch MARLIN solche Gewehre. Oben Marlin, unten Winchester.

 

Der Unterschied wird hier erkennbar: während bei der Winchester (unten) die leere Hülse nach oben über den Kopf des Schützen ausgeworfen wird, erfolgt der Auswurf der leeren Hülse bei der MARLIN (oben) zur Seite hin.

 

 

 

Das ist die MARLIN 1894 Cowboy. Sie ist bei Sportschützen sehr beliebt.

 

Zu Anfang wurden diese Gewehre für die gleichen Patronen gebaut, die auch aus den damals üblichen Revolvern verschossen wurden. Das heute noch beliebtere Kaliber ist die Patrone .44 Magnum. Hier die Abmessungen:

 

 

Erst die späteren Modelle waren in der Ausführung stabiler gebaut und verwendeten dann stärkere Kaliber. Zum Vergleich hier ein typisches Langwaffenkaliber für ein UHR: das Kaliber .30-30:

Die vielen anderen Hersteller und Modelle sollen hier nicht vorgestellt werden.

Sportschützen verwenden die Kurzwaffenkaliber bei Wettkämpfen über 50 m Distanz, die Langwaffenkaliber werden über 100 m Distanz geschossen.

 

 

Welche Wettkämpfe werden geschossen?

Ein Sportschütze, der eine WBK (zur Erinnerung: Waffenbesitzkarte) beantragen will und damit den Erwerb und Besitz einer Waffe, muss dazu ein Bedürfnis nachweisen. Dazu muss er von seinem Verein - ohne den geht das nicht! - die Bestätigung erhalten, dass er seit mindestens einem Jahr in dem Verein Mitglied ist und regelmäßig - mindestens 18 mal pro Jahr - am Training teilgenommen hat. Dazu wiederum muss er ein vom Verein bestätigtes Schießbuch führen und in Kopie der Waffenbehörde vorlegen. Der Antrag mit den beigefügten Unterlagen wird außerdem noch vom Schützenkreis innerhalb des hessischen Schützenbundes bestätigt. Außerdem muss sich der Sportschütze verpflichten, an den Wettkämpfen des Vereins teilzunehmen. Und: man erinnere sich: er muss die Sachkundeprüfung bestanden haben und ein unbeflecktes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Dann bekommt er eine Waffenbesitzkarte - das kostet einiges - und einen Eintrag zur Beschaffung der beantragten Waffe (eine!).

Nun darf er die Waffe beschaffen und muss sie danach innerhalb kurzer Zeit bei der Waffenbehörde eintragen lassen. Das kostet auch wieder! Mit dem Eintrag dieser Waffe in seine WBK erlangt er auch die Erlaubnis, die dazugehörige Munition zu erwerben und zu besitzen.  Der Besitz einer WBK berechtigt also nicht generell zum Besitz von Waffen und/oder irgendwelcher Munition: nur die eingetragenen Waffen und nur deren Munition darf er besitzen. Und besitzen heißt nicht, dass er die Waffen beliebig hantieren darf: sie müssen in seinem Hause verschlossen und getrennt aufbewahrt werden und ebenfalls verschlossen und getrennt von und zum Schießstand transportiert werden. Um vor dem Gesetz glaubhaft zu machen, dass er sich an diese Vorschriften hält, wird seine Zuverlässigkeit überprüft, wo immer sich dazu ein Anlass ergibt.

Wenn ein Sportschütze diese Anforderungen erfüllt hat und weiter erfüllt, darf er an Wettkämpfen teilnehmen.

Es beginnt mit den Vereinsmeisterschaften, die einmal pro Jahr in der zweiten Jahreshälfte ausgetragen werden: jede Disziplin, die im jeweiligen Verein vertreten ist, an ihrem eigenen Termin. Das ist spannend, weil es oft einen Unterschied in der Leistung eines Schützen gibt, je nachdem, ob er im Training oder im Wettkampf schießt. (Das ist ja wohl auch in anderen Sportarten so.)

Diejenigen Schützen, die ein Mindestsoll an Ringzahl in der jeweiligen Disziplin erreicht haben, erhalten eine Einladung zur Kreismeisterschaft von ihrem Sportkreis oder Schützenkreis. Da schießen dann die besten Schützen aller Vereine im Kreis.

Wer dort dann wiederum ein Mindestsoll erreicht, wird zur Gaumeisterschaft eingeladen. Das macht der Schützengau.

Und danach lädt der Hessische Schützenverband die besten Schützen der Gaumeisterschaften zur Landesmeisterschaft ein.

Und wer sich dort auch noch qualifiziert, der wird zur Deutschen Meisterschaft eingeladen. Eine hohe Ehre also.

 

Zwischendurch werden noch je nach Qualifikation der Schützen sogenannte Rundenkämpfe auf Kreis-, Gau- oder Landesebene ausgetragen, in denen die verschiedenen Vereine Mannschaften aus drei oder 4 Schützen aufstellen, die zu bestimmten Terminen in einer Vor- und einer Rückrunde gegeneinander antreten und deren Mannschaftsergebnisse gegeneinander gewertet werden. Die Ergebnisse sind dann hier veröffentlicht.

Es gibt Schützen, die in mehreren Disziplinen und verschiedenen Mannschaften mitschießen - wenn sie die zu den verschiedenen Disziplinen passenden Waffen besitzen (dürfen). Wer auf Landesebene Rundenkämpfe mitschießt, darf in Hessen zwischen Bürstadt und Alsfeld pendeln: Hessen ist groß und so lernt man das Land kennen.

Und dann gibt es noch Veranstaltungen, die nicht vom Kreis, Gau oder Landesverband ausgeschrieben werden, sondern von einzelnen Vereinen, und die einfach nur gesellig sein sollen und Spaß machen. Diese Veranstaltungen nehmen zu und sind außerordentlich beliebt. Zwei Varianten haben sich dabei herausgebildet: Die Vorderladerwaffen und die Cowboywaffen. Also Perkussionsgewehre, -Pistolen und -Revolver oder Unterhebelrepetierer (UHR) und Single Action Revolver (SAR). Und dann werden da auch Zelte aufgebaut, es wird gegrillt, ganze Familien kommen im Cowboy-Dress, und die Bogenschützen sind auch dabei.

Und wer erleben will, warum der Schießsport auch einfach nur einmal Spaß machen kann, der soll zu so einer Veranstaltung gehen.